Weiße Stadt – Weißenstadt

Habe wieder das Bedürfnis nach Urlaub. Diesmal ist ein Kind dabei… mein Kind dabei. Habe mich informiert, dass Urlaub mit Kind gar kein Urlaub ist außer für das Kind. Kann das nicht glauben und lasse es auf einen Selbstversuch ankommen. Es geht diesmal nach Weißenstadt im Fichtelgebirge.

Anreise

Selten so eine gemächliche Anreise gehabt. Direkt nach der Auffahrt auf die Autobahn werden wir von der ersten Baustelle begrüßt. Verkehr ist generell zäh. Brummis überholen Brummis und werden dabei von einem Bus überholt. Alle Spuren dicht, Tempo 90 auf der linken Spur. Hinter mir kommt ein Wahnsinniger angerast, blinkt zum Überholen und muss dann leider feststellen, dass noch weiter links nur noch die Leitplanke ist. Das hindert ihn nicht, auch noch mit Lichthupe zu signalisieren, dass er vorbei will. Bin mir nicht sicher, ob er dumm oder blind oder beides ist. Den Bus vor mir kann man eigentlich nicht übersehen und auch die beiden Brummis rechts davon sind jetzt nicht unnötig klein geraten.

Nachdem der Bus sein Überholmanöver beendet hat und auch ich wieder in die Mittelspur durfte, bedanke ich mich bei meinem Ex-Hintermann durch Standing Ovations meines Mittelfingers für das Lichterkonzert. Der Rest der Anfahrt verläuft unkompliziert.

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Einmal Ostsee und zurück

Habe mich dieses Jahr für ein paar Tage in einer Ferienwohnung in Sellin eingebucht. Da unterkunftbedingt eine Anreise vor 17 Uhr nicht möglich und die Bahn nicht mein bester Freund ist, entscheide ich mich für eine Anreise per Auto.

Anreise

Stehe am Anreisetag viel zu zeitig auf und schaue mir die Fahrtstrecke im Navi an. Ich freue mich schon auf 500km geballte Freude während der 5h Autofahrt. Ich überlege, was ich während der Fahrt alles anstellen kann, um mir die Langeweile zu vertreiben; da fällt mir ein, dass ich gar keinen Autopilot besitze. Fahre schließlich gegen 11 Uhr los und erreiche ereignislos meine Autobahnauffahrt. Meine Freude über schnelles Fortkommen auf der Autobahn wird durch mehrere Pylonenreihen getrübt, die mir zeigen, dass die Fahrbahn für dieselbe Menge an Fahrzeugen nur noch halb so breit ist. Sehe auch sogleich den Grund für diese Maßnahme. Der Verein Orange-Weiß-Suicide führt zur Unterhaltung vorbeifahrender Autos artistische Kunststücke auf, um der Straße ein Gesicht zu geben. Straßenmarkierungsarbeiten sagt mir ein Schild, lebensmüde sagt mir mein Verstand. Beim Überholen von einem Baumstammtransporter schweben mir Szenen von „Final Destination“ im Kopf. Ich versuche diese Gedanken zu vertreiben und den Transporter zu überholen. Schaffe leider nur zweiteres und bedaure die weiter hinten fahrenden.

Nach endlosen 3 Stunden meldet sich mein Magen zu Wort und ich mache eine Mittagspause. Da ich Raststätten und deren inflationäre Preise kenne, entscheide ich mich für FastFood von McDonalds. Ich bestelle eine große Cola und erinnere mich beim Erhalt des leeren Pappbechers, dass es auch eine kleine getan hätte. Beim Besuch des WCs trete ich einem Wegelagerer gegenüber, der von mir einen amerikanischen Rapper als Wegzoll verlangt. Da meine Blase kurz vor der Explosion steht, zahle ich und verschiebe eine Diskussion auf eine bessere Gelegenheit.

Erreiche schließlich Sellin und stelle fest, dass ich hier gar keine Ferienwohnung gebucht habe, sondern in Göhren. Stelle bei meiner Ankunft in Göhren erleichtert fest, dass ich im richtigen Göhren meine Ferienwohnung gebucht habe. Bei der Übergabe der Ferienwohnung entrichte ich auch die fällige Abgabe für den Kurort. Erhalte als Belohnung dafür eine Kurkarte, die das belegt. Beim Durchblättern von Tourist-Prospekten in der Wohnung sehe ich, dass die Kurkarte für 2013 vollkommen anders aussieht, als der Wisch, den ich habe. Freue mich über die ganzen Vergünstigungen, die mir jetzt nicht mehr zustehen und beschließe den Rest des Tages zu nutzen, um am Strand vorbeizuschauen. Nach schnellen 25 Minuten erreiche ich diesen und stelle beim Betreten der Seebrücke fest, dass es weder warm noch windstill ist. Beim Blick ins Wasser sehe ich eine ausgeprägte Algenfarm und beschließe hier nicht baden zu gehen. Überlege mir, wie lange man am Strand von Göhren bis Binz brauchen würde und lege los. Breche den Versuch nach 30 Minuten ab, als klar wird, dass die Erkältung vom letzten Jahr für ein Duell mitgereist ist. Mache mich auf den Weg zurück zur Unterkuft und kaufe unterwegs Verpflegung für die kommenden Tage. „Einmal Ostsee und zurück“ weiterlesen

Reisemitschrift eines Hamburg-Trips

Anreise

Anreisemöglichkeit im Vorfeld per zuggebundenem Ticket erworben.

Vorteil: ca. 1/4 der regulären Fahrtkosten für diese Strecke
Nachteile: zuggebunden, eher ungewöhnliche Fahrtzeiten

Aufbruch gegen 18 Uhr, geplante Ankunft 23:05 in Hamburg, Umsteigen in Hannover. Ankunft in Hannover liegt geringfügig hinter dem Plan. Schließlich am Abfahrtsgleis des Anschlusszuges angekommen die Erleichterung: auch der Zug liegt hinter dem Plan, offiziell geschätzte 45 Minuten. Umso erstaunlicher ist das Einfahren eines Zuges auf eben jenem Gleis, laut Anzeige für vor einer Stunde mit Ziel: Hamburg. Hatte ich schon erwähnt, dass ich ein zuggebundenes Ticket besitze?

Um dem Glück eine letzte Chance zu geben, erkundige ich mich bei einem in der Nähe befindlichen Zugbegleiter, ob ich trotz meines gebundenen Tickets diesen Zug nutzen könne. Andernfalls würde ich mindestens 45 Minuten Däumchen drehend neben ihm stehen und mit ihm die Farbgebung der Gleise erörtern. Das scheint er nicht zu wollen, denn er empfiehlt mir: „Nehmen sie diesen Zug.“. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen, rein in den Zug und bequem gemacht. Schnurstracks kommt auch der Zugbegleiter dieses Zuges an und möchte die Tickets sehen, als wäre er mit einem sechsten Sinn für unpassende Tickets ausgestattet worden. Meine Erklärung scheint ihm nicht zu gefallen, er schaut grimmig und ich bin froh, als er knurrend weitergeht.

Planmäßige Ankunft in Hamburg: es regnet. Kaufe für die letzten Kilometer ein Busticket am Automaten. Dieser möchte mich ärgern und spuckt mir ein für den Folgetag gültiges Ticket aus. Ich spucke zurück und warte auf den Bus. Als dieser kommt und die anderen Wartenden einsteigen, halten sie ihr Ticket dem Busfahrer entgegen. Diese moderne Art der optischen Entwertung nicht kennend, erkenne ich jedoch, dass auch ein weißes Stück Papier mit schwarzer Schrift als Ticket hätte gelten können. Erreiche schließlich meine Zielhaltestelle und laufe den letzten Kilometer zu meiner Unterkunft. Dort angekommen bin ich müde und gehe schließlich 2 Stunden später zu Bett.

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